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Kinderbehandlung in der chinesischen Medizin
Die traditionelle chinesische Medizin sieht Kinder nicht als kleine Erwachsene, sondern
als körperlich und funktionell noch unreif. Das bedeutet:
- Kinder sind besonders anfällig für Atemwegserkrankungen, Verdauungsstörungen,
Bauchschmerzen, Krämpfen und emotionaler Unausgeglichenheit wie Wut und emotionaler
Aufruhr.
- Da die Lebensenergie bei Kindern rein und wirkungsvoll ist genesen sie schnell. Der
kindliche Organismus hat noch nicht wie die Erwachsenen Stoffwechselabfälle angesammelt,
die den Körper belasten und sie waren noch nicht Jahre langem Ärger und emotionalen
Verletzungen ausgesetzt. Bei Kindern reichen deshalb schon kleine Reize und häufig tritt
der Behandlungserfolg schneller ein als beim Erwachsenen.
Zunächst sollte bei der Behandlung die Ernährung angepasst werden. Reicht das nicht aus,
kann die Akupunktur oder Akupressur als Reiz zur Wiederherstellung des Gleichgewichtes
genutzt werden. Erst wenn stärkere Reize erforderlich sind, oder ein Mangel an Energie
besteht, kommen Kräuter zum Einsatz.
Diagnose beim Kind:
Zur Diagnose beim Kind gehören:
- Die Befragung
In der Befragung werden Informationen über Schwangerschaftsverlauf, Geburt,
Säuglingszeit, Infektionskrankheiten, Impfungen, Ernährungsverhalten,
Bewegungsverhalten, Schlafverhalten, Verdauung usw. erfasst.
- Die Zungen- und Pulsdiagnose
wird wie beim Erwachsenen durchgeführt. Das Kind kann zuhause vor dem Spiegel die
Zunge betrachten. Es ist gut, wenn die Eltern das Kind darauf vorbereiten, dass es die
Zunge zeigen soll.
- Die Untersuchung
Zur Untersuchung gehört das Abtasten der Lymphknoten im Hals- und Kieferbereich, das
Abtasten von Bauch und Rücken, und die Beurteilung der Fingervene.
Therapie beim Kind
Akupunktur:
Beim Kind werden dünnere Nadeln verwendet als beim Erwachsenen. Man kann auch Nadeln mit
Führungsröhrchen verwenden, dann ist die Nadel für das Kind beim Einstechen nicht sichtbar.
Bei einem Kind bis zum 7. Lebensjahr müssen die Nadeln nicht liegen bleiben, da Kinder
schon auf kleine Reize sehr gut reagieren.
Die Nadeln werden eingestochen, falls möglich wird die "Nadelsensation" ausgelöst und nach
kurzer Stimulation wird die Nadel wieder entfernt.
Ab einem Alter von etwa 12 Jahren bleiben die Nadeln für 15 - 20 Mitnuten liegen.
Beim Kind werden möglichst wenig Nadeln (2-8, je nach Alter des Kindes) verwendet und
Punkte ausgesucht, die gut und sicher zu erreichen sind.
Kinder entwickeln meist nicht solche Ängste wie Erwachsene. Da die Nadel direkt nach
Auslösen der Nadelsensation wieder entfernt wird, wundern die Kinder sich über dieses neue
Gefühl und haben dadurch den "Piks" gar nicht richtig wahrgenommen. Ein Kind lässt sich
leichter behandeln, wenn die Eltern keine Angst vor der Akupunktur haben, damit sie ihre
Kinder bei der Behandlung z.B. durch Zuspruch unterstützen können. Ein Beratungsgespräch
vor der ersten Behandlung kann den Eltern die Ängste und Sorgen nehmen.
Kinder haben meistens Angst wegen schlechter Erfahrung bei Blutentnahmen oder Impfungen.
Das Festhalten wird auch als besonders unangenehm empfunden.
Als Einstieg oder zur Überwindung der Nadelscheu kann als Alternative
die Elektroakupunktur, Laserbehandlung oder Akupressur angewendet
werden. Es besteht auch die Möglichkeit mit der Elektroakupunktur,
Laserbehandlung bzw. Akupressur zu beginnen und später mit Nadeln
weiterzubehandeln.
In meiner Praxis bekommen die Kinder bei der ersten Akupunkturbehandlung
eine Tapferkeitsurkunde, die nach jeder Behandlung abgestempelt wird und
einen Mutstein. Dies trägt zur Motivation bei, eine Akupunkturbehandlung
zuzulassen.
Urkunde für tapfere Kinder
Moxibustion:
Die direkte Moxibustion kann nur bei älteren Kindern ab etwa 7 Jahren angewendet werden,
da sie mitteilen müssen, wann sie ein brennendes Gefühl verspüren. Die indirekte
Moxibustion, wobei der Therapeut mit den eigenen Fingern die Temperatur überprüft, kann
schon bei kleineren Kindern angewendet werden.
Akupressur:
Akupressur kann beim Kind anstatt der Akupunktur angewendet werden. Dann sollte jeder
Punkt mindestens zwei Minuten stimuliert werden. Diese Technik kann von den Eltern in der
Praxis erlernt und zu Hause weiter durchgeführt werden und den Heilungsprozess unterstützen
oder in Akutsituationen Linderung verschaffen.
Elektroakupunktur:
Eine Alternative zur Behandlung mit Nadeln stellt die Elektroakupunktur mit dem "Pu Tens"
dar. Hierbei werden die Akupunkturpunkte über einen elektrischen Impuls stimuliert. Das
Kind spürt ein leichtes Kribbeln und manchmal auch ein Wärmegefühl. Da das Kind die Stärke
des Impulses angeben muss, kann diese Methode erst ab einem Alter von 3 Jahren angewendet
werden.
Massagen:
Tuina ist eine gute unterstützende Therapie beim Kind. Sie ist eine sehr sanfte Methode
und der körperliche Kontakt wird als angenehm empfunden, so dass sie sich auch für
Säuglinge und Kleinkinder eignet.
Chinesische Arzneimitteltherapie:
Kräuterrezepturen werden auf den kindlichen Organismus in Bezug auf Dosis und
Kräuterauswahl angepasst. Sie bekommen eine individuelle Rezeptur, die auf das
Ungleichgewicht des Kindes abgestimmt wird. Kräuter können in verschiedenen
Darreichungsformen gegeben werden. Bewährt haben sich wässrige Lösungen (hydrophile
Konzentrate) oder Sirup, der speziell für Kinder in der Apotheke hergestellt wird.
Selbstverständlich können auch Kinder die Kräuter wie die Erwachsenen in Form von Tee oder
Granulaten zu sich nehmen.
Bei Kindern werden häufig auch westliche Kräuterrezepturen nach den Regeln der
chinesischen Medizin verordnet, da sie gut verträglich und überzeugend in der Wirkung sind.
Informationen zur Behandlung von Kindern bietet auch folgendes Faltblatt:
Faltblatt "Kinderbehandlung mit Traditioneller Chinesischer Medizin" als pdf-Datei (595 KB)

© 2008 Christa Suthoff
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